Montag, 21. September 2015

FRANZ LISZT, sein Leben und Wirken aus nächster Beschauung (Gustav Schilling)

Eine Beschreibung von Liszts Klavierspiel aus dem Jahr 1844 von Gustav Schilling, die von Superlativen und blumig-emotionalen Ausbrüchen nur so strotzt. 

"Du mußt ihn hören und sehen, um zu wissen, wie das Genie einhertritt, alles niederstürzt und aufbaut, verändert und neu schafft, hinreißt und verblüfft, erschreckt und bezaubert, einschüchtert und vertraulich macht, entsetzt und rührt, durchschüttert und auflöst! 

Liszt ist ein Prometheus, der aus jedem Notenstrich eine Gestalt schafft! Ein Magnetiseur, der ein Fludium aus den Tasten zaubert; ein Perrot-Kobold auf den Tastenfluten; ein liebenswürdiger Unhold, der seine Geliebte - das Piano - bald zärtlich behandelt, bald tirannisiert, sie in Küssen verzehrt, in wollüstige Bissen zerfleischt, sie umschlingt, mit ihr kost, mit ihr schmollt, sie schilt, anfährt, bei den Haaren faßt, sie wieder desto zärtlicher, inniger, feuriger, liebesglühender umfaßt, mit ihr aufjauchzt, zum Himmel fortrast durch die Lüfte, und sich endlich mit ihr nierderläßt in einem Blumenthale, überdeckt von einem Stillhimmel! 

Liszt kennt keine Regel, keine Form, keine Satzung, er schafft sie selbst...Es grenz bei ihm das Sublimste an das Barockste, das Erhabenste an das Kindlichste, die ungeuerste Kraft an die sinnigste Zartheit, der unerreichbare, tausendgliedrige Mechanismus an das zarte Geheimnis des Seelenvermögens, der Krampf der allerhöchsten Gewaltsamkeit an das süße Traumleben der allerinnigsten Gefühlsweise.


Nach dem Konzerte steht Liszt da wie ein Sieger auf dem Schlachtfelde, wie ein Held auf der Wahlstätte! Besiegte Klaviere liegen um ihn herum. Zerrissene Saiten flattern wie Pardonfahnen, erschrockene Instrumente flüchten in ferne Winkel; die Zuhörer sehen sich an, wie nach einem vorübergegangenen Naturereignis, wie nach einem Ungewitter aus heiterem Himmel, wie nach Donner und Blitz, vermischt mit Blumenregen und Blüthenschnee und schimmernden Regenbogen, und er steht da, und lehnt sich wehmüthig, sonderbar lächelnd, an einen Sessel, wie ein Ausrufungszeichen nach dem Ausbruche der allgemeinen Bewunderung. So ist Franz Liszt !"  ( aus "Franz Liszt: Sein Leben und Wirken, aus nächster Beschauung" von GUSTAV SCHILLING, 1844 )



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